Wasser aufhärten, ich bin verwirrt

Aphanius, Valencia
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moskal
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Wasser aufhärten, ich bin verwirrt

Beitrag von moskal »

Hallo,

aktuell lasse ich Aphanius danfordii schlüpfen. Da bei mir das Wasser mit pH 7,5, KH 4, gH 9 und um 280µS/cm aus der Wand kommt habe ich es mit Dolomit und Bittersalz aufgehärtet, jetzt ist es bei pH 8, KH 6 , gH-Test ist alle und 478µS/cm. So weit, so gut.

Ein Kumpel hat mir eine Liste der gebräuchlichen Aufhärtsalze geschickt und ein Foto einer Grafik in der die Wasserbedürtnisse verschiedener Aphanius von weich nach hart mit Leitfähigkeit angegeben ist, und Salzbedürftigkeit dargestellt wird. Als übliche Mittel aufzuhärten nennt er Bittersalz, org. Totes Meer Salz, Redcoral Salz, Gips, Marine Salz, Gartenkalk und Kh+ vom Zoohandel. Der Mix erstaunt mich. Bittersalz und Gips ändern nur die Gesamthärte und lassen KH und pH wo er ist. Die syntethischen Meersalze heben gH, KH, Natrium und pH, KH+ hebt die KH und in Folge dessen den pH. Die Leitfähigkeit wird bei allem angehoben. Was brauchen die Arten die kein extra Natriumchlorid benötigen, also z.B. die türkischen Bergfische? Daß pH sein kann wo er will, hauptsache die Leitfähigkeit passt kann ich mir nicht vorstellen. So züchtet z.B. ein Kumpel Parosphromenus und kleine rote Bettas bei pH 5 und drunter, salzt aber das Wasser mit speißesalz auf 1000-1200µS/cm auf. Und weil in dem Salz kein Hydrogencarbonat ist bleibt der pH trotzdem unten. Aphanius kann ich mir in so einem Wasser nicht vorstellen. Reicht es wenn das Wasser so eine Art pH neutral ist und nur die gH gehoben wird, also aufsalzen mit Gips oder Bittersalz? Oder muss es auch KH und damit pH gehoben werden, da erstaunt mich allerdings daß Soda nicht unter den gängigen Aufhärtsubstanzen ist.
Was mich auch verwundert, ich hatte im Oman in den beiden Gebirgen des Landes Aphanius beobachten können, jeweils bei um 350µS/cm. Laut Grafik eine zu geringe Leitfähigkeit für Aphanius allgemein. KH und gH waren moderat vorhanden aber ansonnsten sehr sauberes Quellwasser. Die Fische waren fit und überall sehr zahlreich.

Also welche Härte oder Salzigkeit ist die richtige?

Gruß, Helmut
Heiko Kärst

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Re: Wasser aufhärten, ich bin verwirrt

Beitrag von Heiko Kärst »

Hallo Helmut,

erst einmal vielen Dank, dass Du Dir über den Mineralgehalt im Hälterungswasser Deiner Aphanius Gedanken machst. Du solltest Dir von Deinem Kumpel das gesamte Aphanius Supplementheft zeigen lassen. Vielleicht kaufst Du es dann bei der DKG im Warenversand. Darin ist sehr viel geschrieben zum Aufmineralisieren des Hälterungswassers, Messmethoden usw. Das kann und will ich hier nicht alles wiederholen.
Es ist interessant, dass Du im Oman Aphanius, heute vermutlich Aphaniops bei einer Leitfähigkeit von ca. 350 µS/cm beobachtet hast. Wenn du Dir die Grafik genau ansiehst, dann betrifft das mittelhartes Wasser, vergleichbar mit einem Fluss im Hochland Irans. Das ist zwar sehr am "weichen" Rand der Bedingungen in der Natur, aber noch im Rahmen. Verallgemeinern sollte man das jedoch nicht, wenn man dauerhaft erfolgreich "Aphanius"-Arten halten möchte. Ein anderer Aspekt ist, wann Du die Fische unter diesen Bedingungen beobachtet hast. War es in der Trockenzeit oder war es während des Monsums? Die Fische unterliegen in der Natur ganz gewiss natürlichen Schwankungen die stark durch die Jahreszeiten geprägt sind.

Gruß,
Heiko
moskal
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Re: Wasser aufhärten, ich bin verwirrt

Beitrag von moskal »

Hallo Heiko,

das Supplementheft werde ich mir sicher anschauen und sehr wahrscheinlich kaufen.

Mittlerweile wurde mir gesagt, daß es bei meinen um die KH geht, das mit dem Bittersalz wäre weil es bei einigen Arten Bittersalz im Biotop gibt. Also fahre ich mit Gartenkalk/Dolomit gut, da gH und KH in einem schönen Verhältnis damit angehoben werden. Ein wenig liebäugel ich für den Draußenkübel noch mit dem Wasser der Mineralbrunnen bei mir ums Eck:http://www.stgt.com/brunnen/kellrbrd.htm Die Wasser der Brunnen in Bad Canstatt sind je nach Tiefe aus der das Wasser kommt sehr unterschiedlich. Der verlikte hat noch recht moderates Wasser. Auf jeden Fall hat Artemia in dem Wasser eine sehr gute Schlupfrate.

Im Oman war ich vor dem Monsun, ein paar Wadis waren auch trocken. Aphanius gab es auch nicht nur in Klarwasser, das ist bei Salalah iin einem Kanal der von einem Brackwassergebiet ins Meer führt, das Brackwassergebiet ist auch hochinteressannt:
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Das ist im Hinterland von Salalah am Fuß der Berge, um 350µS/cm:
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dort sieht es so aus:
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Das ist im Östlichen Hochland:
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Das Wasser dort ist abartig klar hat Badewannentemperatur und ist auch bei um 350µS/cm
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Die Gegend drumrum ist auch wirklich reizvoll:
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Und die Leute in dem Land sind sehr sehr nett und freundlich.

Gruß, Helmut
Heiko Kärst

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Re: Wasser aufhärten, ich bin verwirrt

Beitrag von Heiko Kärst »

Hallo Helmut,

vielen Dank für die tollen Bilder. Ich möchte mich aber dennoch wiederholen. Alleine sich auf die Messung der Leitfähigkeit zu verlassen, ist gefährlich. Eine Härtebestimmung ist auf jeden Fall von Vorteil. Darüber hinaus, war Deine Untersuchung des Wassers eine Momentaufnahme. Die Verhältnisse über den Jahresgang zu sehen, wären schon interessant.
Wie auch immer, wenn es Dir gelingt, "Aphanius" über einen längeren Zeitraum bei einer Leitfähigkeit von 350 µS/cm zu erhalten, wäre das ein besonderer Erfolg. Ich würde mich freuen, wenn du mich hierüber auf dem Laufenden hältst.
Dolomit löst sich noch schlechter als Kalk. Daher möchte Ich Dir empfehlen, die Wasserhärte über die gängigen löslichen Substanzen, wie Meersalz, KH+ o.ä. herzustellen.

Gruß,
Heiko
moskal
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Re: Wasser aufhärten, ich bin verwirrt

Beitrag von moskal »

Hallo Heiko,

ich will doch gar nicht meine danfordii bei 350µS/cm halten, hatte ich nie vor. Ich war nur verwirrt über die im Netz und privat vorgeschlagenen Aufhärtsubstanzen die meist für sich gesehen einzelne unterschiedliche Parameter beeinflussen aber deshalb nicht alle basisch machen. Jetzt weiß ich, daß die pH beeinflussende KH die wichtige Größe ist und in diese Richtung habe ich das Wasser für meine danfordii aufbereitet. Das es andere Aphanius gibt, die z.B. Salz brauchen ist mir auch klar.

Die Fotos oben sind in der Trockenzeit entstanden, die Wadis die über Regen gespeist werden hatten schon lange kein Wasser mehr geführt. Die Wadis mit den Aphanius sind mit Wasser aus Quellen tiefer Schichten versorgt und führen laut Einheimischen das ganze Jahr über gleich Wasser. Was jetzt genau die 350µS ausmacht weiß ich nicht, auf Reisen habe ich nicht immer alles zum testen mit. aber klar kann es auch Schwankungen der Inhaltsstoffe über das Jahr geben aber der Botanik in und um das Wasser herum nach zu beurteilen keine all zu starken.

Mittlerweile sind alle geschlüpft und wachsen.
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von links nach rechts: Artemia in Phytoplankton, hat den Vorteil daß sie darin sehr gut schlüpfen, die Algen verwerten die Verunreinigungen auf den Schalen die sonst die Schlupfrate senken und es gibt gleich bestes Futter für die Artemia. Ich habe immer mehrere Gläser mit Artemien verschiedenster Größe rumstehen. Das Phytoplankton lässt sich nach absieben der Schalen direkt wieder verwenden.
Dann so eine Art Algen lebend Detritus, da wimmelt es von Rotatorien, Bauchhärlingen, Muschelkrebsauplien... drin, selbst ausgewachsene Fische fressen das noch gerne. Auch davon habe ich mehrere Gläser rumstehen, hell, selten mal ein getrocknetes Schilfblatt dazu und ab und wann ein Stück Futtertablette.
Dann das Aufzuchtbecken, der Bodenschmodder ist der Detritus, die Fische suchen da den ganzen Tag nach Nahrung drinn. Weil die Mikroorganismen im Schmodder sämtliche Nahrungsreste verwerten und sich dabei auch vermehren messe ich im Becken kein Nitrat. Ab und zu gibts noch Essigäälchen. Das Ganze steht an einem unbeschattetem Westfenster, noch zwei Wochen und sie kommen in den Garten.
Mit der Kombi habe ich schon wirklich schwierige Larven groß bekommen. Auch wenn es anders aussiht, das Wasser bleibt sauber und durch die verschiedenen Algen die Futter für das Futter sind sind HUFAs variantenreich vorhanden, das boosten kann man sich sparen.
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Gruß, helmut
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