Killifische

Killifische, die eierlegenden Verwandten von Guppy, Platy, Molly und Co., haben ihren Namen von holländischen Auswanderern, die die Fischchen, die sie in den kleinen Bächen (Kil) in ihrer neuen Heimat in Nordamerika fanden, als Kilvis bezeichneten.

Cyprinodon longidorsalis
© by Heiko Kärst

Sie besiedeln mit Ausnahme Australiens und der Antarktis alle Kontinente. Bis auf Leuchtaugenfische leben Killifische am Rande kleinerer Gewässer und halten sich zwischen Wasserpflanzen, herunterhängenden Blätter der Landpflanzen, Wurzeln und herabgefallenem Laub auf. Dort wird auch gelaicht. Da diese Bereiche bei Niedrigwasser schnell mal trocken fallen besitzen Killi-Eier eine feste Haut. Dadurch sind sie sehr gut gegen Wasserverlust geschützt und halten auch starken Druck aus. Bis auf wenige Ausnahmen kann man ein gesundes Killi-Ei nicht zwischen zwei Fingern versehentlich zerdrücken, außer kurz nach dem Ablaichen.

Arten, die in Gewässern leben, die auch mal länger nur Niedrigwasser führen oder regelmäßig austrocknen, haben sich diesen Gegebenheiten angepasst. Sie werden als annuelle Arten oder Saisonfische bezeichnet. Die Eier dieser Arten legen in der Entwicklung Pausen ein und können dadurch Trockenheiten überstehen. Bei manchen Eiern können das auch mehrere Jahre sein. Dies gelingt nur, wenn die Eier gut geschützt im Boden liegen. Bei den ostafrikanischen Nothobranchius drückt sich das Pärchen beim Ablaichen auf den Boden und trennt sich mit einem ruckartigen Aufschwimmen, dadurch wird das Ei in den Boden getrieben.

Gnatholebias zonatus 'El Baul'
© Frans Vermeulen

Die meisten südamerikanischen Bodenlaicher gehen da weiter. Bei denen sucht das Männchen eine geeignete Stelle aus und versucht ein Weibchen dorthin zu locken. Gelingt ihm das, geht es senkrecht bis zu den Brustflossen in den Boden und wartet auf das Weibchen. Falls es kommt, oft entscheidet es sich auch nochmal anders, berührt es das Männchen an den Brustflossen und beide verschwinden in den Boden, wo es dann zur Eiablage kommt. Reicht es bei Nothobranchius aus, eine dünne Schicht Ablaichsubstrat (z.B. Torfmull, Torfgranulat, Kokosgranulat oder auch feiner Sand) ins Becken oder in eine flache Schale zu geben muss es für die Bodentaucher schon mindestens so dick wie die Körperlänge sein. Damit man nicht zu viel Substrat braucht, nimmt man üblicherweise einen entsprechenden Behälter (z.B. einen Blumentopf oder ein Glas), den man ins Aquarium stellt. Damit beim Eintauchen nicht zu viel Substrat herausgeschleudert wird, kann man es auch mit einem „Starenkasten“ versuchen, also einen Behälter, der oben an einer Seite eine Öffnung hat. Das klappt aber nicht unbedingt bei jeder Art und nicht immer sofort.

Nach dem Ablaichen muss das Substrat, meistens Torf oder Kokosgranulat, soweit getrocknet werden, dass es noch eine geringe Restfeuchte hat. Wie viel genau, ist schwer zu sagen, es sollte noch dunkel sein, aber nicht mehr an den Fingern kleben. Die Zeit, nach der man den Ansatz aufgießen kann, ist von Art zu Art verschieden. Meistens sind das so 2-4 Monate.

Moema quii
© by Heinz Ott

Bei Fischen, die sich in Gewässern aufhalten, die nur kurze Zeit im Jahr Wasser führen, macht es keinen Sinn diese mit Genen für ein langes Leben auszustatten. Da sind andere Fähigkeiten gefragt: Möglichst schnell wachsen, geschlechtsreif werden und vor dem Beginn der Trockenzeit genügend Eier in den Boden platzieren, damit der Fortbestand der Art gesichert ist.

Leider wird diese Kurzlebigkeit der Saisonfische mit allen Killifischen in Verbindung gebracht, dabei können die meisten mehrere Jahre alt werden.

Im Gegensatz zu den Bodenlaichern legen die nichtannuellen Arten ihre Eier in Pflanzen, Algen oder feinem Wurzelwerk ab. Diese Eier haben meistens feinen Haftfäden mit denen sie sich am Substrat anheften. Die Jungfische dieser Arten schlüpfen meistens nach 2 bis 3 Wochen. Im Aquarium kann man diese Arten mit einem Wollmop züchten. An einem Schwimmkörper (z.B. ein Korken, ein Stück Styropor) hängen Wollfäden ins Wasser.

Aphyosemion elberti 'Pondemoun'
© by Olaf Deters

Die Fische nehmen den gut an und man kann die Eier absammeln und in eine Schale im Wasser, auf feuchten Torf oder etwas Moos sich entwickeln lassen.

Bei den Arten aus Westafrika sind sowohl annuelle als auch nichtanuelle Arten zu finden. Während Callopanchax Bodenlaicher sind, deren Laich einige Monate trockengelegt werden muss, sind Aphyosemion-Arten Pflanzenlaicher. Bei den Fundulopanchax haben wir es mit sogenannten semianuellen Fischen zu tun. Bei denen kann sich der Laich sowohl im Wasser entwickeln als auch eine Trockenzeit von einigen Monaten überstehen.

Eine Besonderheit der Eiablage gibt es noch bei den Leuchtaugenfischen. Während die meisten, wie der bekannte Poropanchax normani, Pflanzenlaicher sind, sind die Procatopus-Arten und auch der Tanganjika-Leuchtaugenfisch (Lamprichthys tanganicanus) sogenannte Spaltenlaicher. Die Eier sind normalerweise etwas größer als die Spalten in denen sie regelrecht reingeschossen werden, damit sie möglichst tief in die Spalte eindringen. Da Eier nach dem Ablaichen etwas aufquellen, sind sie auch nicht so einfach da herauszubekommen und gut geschützt vor Fressfeinden. Zum Ablaichen hat sich für diese Arten grobporiger Filterschaum bewährt.

Aphanius richardsoni 'Neot HaKikar'
© Barbara Nicca

Extremen Wasserwerten haben sich die rund um das Mittelmeer heimischen Aphanius und die in Nordamerika vorkommenden Cyprinodon angepasst. Diese kommen zum großen Teil in stark mit Mineralen angereicherten Gewässern vor, die die doppelte Salzdichte von Meerwasser haben können und an die 40°C heiß sein können.

Viele der nordamerikanischen Fundulus-Arten bewohnen das Meer, schwimmen aber auch immer wieder in die Flüsse und Bäche. Eine Art von ihnen, Fundulus heteroclitus, ist bekannt für ihre Toleranz gegenüber Giftstoffen. In Gewässern, die stark verschmutzt sind, ist es oft die einzige Fischart die dort noch lebt. Sie ist 1973 auch die ersten Fischart im Weltall gewesen.

Nothobranchius rachovii 'Beira Airport MZCS 08-96'
© by Hristo Hristov

Da Killifische Dauerlaicher sind, sollten sie regelmäßig gut gefüttert werden. Am besten ist Tümpelfutter, da es sehr abwechslungsreich ist. Frostfutter ist aber auch in Ordnung und nach Gewöhnung nehmen die meisten Arten auch Trockenfutter, wobei ich Granulat bevorzuge. Es ist aber kein Problem, die Tiere mal ein paar Tage ohne Futter zu lassen, man sollte dann nur die Geschlechter trennen und erst wieder zusammensetzen, wenn die Weibchen wieder rund geworden sind. Das Erstfutter sollte sich bewegen. Die meisten Jungfische fressen sofort nach dem Schlupf Artemia-Nauplien.

Killifische besitzen einen starken Unterschied zwischen den Geschlechtern. Die Männchen sind wesentlich farbiger als die Weibchen, sind meistens größer und haben normalerweise auch größere Flossen. Das zeigt, das die Weibchen aussuchen, mit wem sie sich paaren: Die Männchen müssen sich herausputzen um eine Chance zu haben.

Es ist im Übrigen auch kein Problem Killifische als Pärchen zu halten oder sogar mehrere Männchen mit wenigen Weibchen. Man muss nur das Aquarium groß genug wählen und genügend Versteckmöglichkeiten einbauen.

Fenerbahce devosi 'AVD 2007-2'
© by Heinz Ott

Die meisten Killifische sind keine Fische für Nano-Becken! Man kann sie in kleinen Becken zur Zucht ansetzten, aber immer unter Kontrolle und immer mit der Möglichkeit das Weibchen vom Männchen zu trennen. Wichtig ist es auch, die Aquarien gut abzudecken, da Killifische gute Springer sind und auch kleine Lücken in der Abdeckung finden.

Zur Zeit sind 1092 Killifischarten als valide anerkannt, Tendenz steigend. Die Zerstörung der Urwälder bringt uns einerseits immer wieder neue Arten, weil Wissenschaftler und interessierte Laien an Orte kommen, die früher nicht erreichbar waren, andererseits werden aber immer mehr Biotope unwiederbringlich zerstört und damit die in ihnen lebenden Fische.

Callopanchax occidentalis
© by Olaf Deters
Aber auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, vor allen Dingen die Möglichkeit der DNA-Untersuchungen, bringen Veränderungen in die Liste der Killifischarten. Deshalb sind Killifischhalter daran interessiert ihre Fische mit Fundort-Code weiterzugeben und diese Fundort-Stämme rein weiterzuzüchten, da es durchaus häufiger passiert, dass einzelne Fundorte einer Art als neue Art beschrieben werden.